Drei Milliarden Euro sind viel Geld – aber nicht das ganze Problem
Drei Milliarden Euro klingt erst einmal nach einer gigantischen Summe.
So viel kosten Deutschland derzeit ungefähr sogenannte Redispatch-Maßnahmen. Dabei werden Kraftwerke herunter- oder hochgefahren, wenn Stromleitungen überlastet sind.
Auch Windräder können abgeschaltet werden, obwohl eigentlich genügend Wind vorhanden wäre.
Das klingt verrückt. Und ist es das auch.
Denn der Wind stellt seine Rechnung nicht an den deutschen Finanzminister.
Das Problem liegt vor allem darin, dass unser Stromnetz mit dem schnellen Ausbau von Wind- und Solarenergie nicht überall Schritt gehalten hat.
Zu viel günstiger Strom am falschen Ort
Im Norden Deutschlands stehen viele Windräder. Dort wird häufig mehr Strom erzeugt, als gerade gebraucht wird.
Im Süden sitzen dagegen viele Industrieunternehmen, die Strom benötigen.
Das Problem ist also nicht unbedingt zu wenig Strom.
Das Problem ist, dass der Strom nicht immer dorthin kommt, wo er gebraucht wird.
Man könnte es mit einer Autobahn vergleichen. Wenn immer mehr Autos unterwegs sind, aber die Straße nicht erweitert wird, entsteht irgendwann Stau. Dann könnte man natürlich sagen: „Diese Autos sind schuld!“
Viel sinnvoller wäre allerdings, die Straße auszubauen.
Beim Strom ist es ähnlich.
SuedLink soll den Stromstau lösen
Ein wichtiger Teil des Netzausbaus ist die Stromtrasse SuedLink. Sie soll Windstrom aus dem Norden nach Süddeutschland bringen und nach derzeitiger Planung 2028 in Betrieb gehen.
Damit könnten künftig mehr Windstrom und weniger Ersatzmaßnahmen notwendig sein.
Das bedeutet: Ein Teil der Redispatch-Kosten lässt sich durch besseren Netzausbau reduzieren.
Warum also Windräder bremsen?
Genau hier wird die politische Diskussion interessant. Wenn neue Wind- und Solaranlagen wegen fehlender Netze ausgebremst werden, löst man das eigentliche Problem nicht.
Man verhindert zunächst einmal zusätzlichen günstigen Strom.
Und was kommt dann?
Im Zweifel müssen andere Kraftwerke einspringen. Besonders Gaskraftwerke könnten wichtiger werden.
Das führt zu einer bemerkenswerten politischen Rechnung: Wir bremsen günstige heimische Energie aus, weil unser Netz noch nicht fertig ist – und kaufen später möglicherweise wieder teures Gas.
Das wäre ungefähr so, als würde man den Bau neuer Straßen stoppen, weil es auf den alten Straßen Stau gibt.
Drei Milliarden sind wichtig – aber nicht der große Skandal
Natürlich müssen Redispatch-Kosten sinken. Das Geld könnte sinnvoller eingesetzt werden.
Der richtige Weg führt aber vor allem über Netzausbau, Speicher, flexible Stromverbraucher und eine bessere Steuerung des Stromsystems.
Die eigentliche Frage lautet deshalb nicht: „Sind drei Milliarden Euro Redispatch zu viel?“
Sondern: Warum bauen wir nicht schneller die Stromnetze, die wir für die Energiewende brauchen?
Denn eines ist sicher: Der Wind wird nicht auf die Fertigstellung deutscher Bauanträge warten. 😉 Er weht trotzdem, nur unhenutzt.
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