Wenn der Himmel spart und wir trotzdem den Hahn aufdrehen
Wasser kommt bei uns ganz selbstverständlich aus dem Hahn. Viele glauben deshalb, davon gäbe es unendlich viel.
Doch genau das ist ein Irrtum. Unter unseren Füßen liegt zwar Deutschlands größter Trinkwasserspeicher, das Grundwasser.
Aber dieser Vorrat schrumpft immer weiter. Während der Klimawandel für längere Trockenzeiten sorgt, pumpen wir gleichzeitig immer mehr Wasser aus dem Boden.
Man könnte sagen: Wir leben von unserem Sparkonto und wundern uns, warum der Kontostand ständig kleiner wird. Irgendwann meldet auch Mutter Natur: „Ihr Konto ist leider nicht ausreichend gedeckt.“
Die Hälfte Deutschlands steht unter Wasserstress
Eine Studie des Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND), erstellt vom Institut für sozial-ökologische Forschung (ISOE), zeigt ein deutliches Bild. In rund der Hälfte aller deutschen Landkreise und kreisfreien Städte wird entweder mehr Grundwasser entnommen, als sich neu bilden kann, oder die Grundwasserspiegel sinken bereits deutlich.
Besonders betroffen sind längst nicht mehr nur die trockenen Regionen im Osten Deutschlands. Auch am Rhein oder in Niedersachsen wächst der Druck auf die Wasservorräte.
Dabei wird oft vergessen, dass Grundwasser nicht über Nacht entsteht. Regenwasser muss langsam durch viele Bodenschichten sickern.
Je nach Boden kann das Jahre oder sogar Jahrzehnte dauern. Was heute abgepumpt wird, kann also erst viele Jahre später wieder ersetzt werden.
Der Klimawandel verschärft das Problem
Der Klimawandel bringt nicht nur Hitzewellen, sondern auch längere Dürren. Gleichzeitig nehmen Starkregenereignisse zu. Klingt zunächst nach einem Ausgleich, ist es aber nicht.
Denn wenn innerhalb weniger Stunden riesige Wassermengen vom Himmel fallen, fließen sie oft oberirdisch ab oder überlasten die Kanalisation.
Für die Bildung von neuem Grundwasser bleibt kaum Zeit.
Auch die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) warnt inzwischen davor, dass Dürren weltweit häufiger und intensiver werden.
Die wirtschaftlichen Schäden steigen, Ernten fallen schlechter aus und die Trinkwasserversorgung wird immer schwieriger. Deutschland bildet dabei keine Ausnahme.
Industrie und Landwirtschaft trinken kräftig mit
Natürlich brauchen wir alle Wasser. Doch manche nehmen deutlich größere Schlucke als andere. Die Landwirtschaft benötigt immer mehr Wasser zur Bewässerung ihrer Felder. Gleichzeitig verbraucht auch die Industrie enorme Mengen.
Nach Recherchen des BUND nutzt allein BASF jährlich rund 20 Milliarden Liter Grundwasser sowie zusätzlich etwa 1.200 Milliarden Liter Wasser aus dem Rhein.
Bemerkenswert ist dabei, dass Unternehmen in einigen Bundesländern für die Nutzung von Grund- oder Oberflächenwasser gar kein Wasserentnahmeentgelt zahlen müssen.
Flüsse brauchen mehr als gute Wünsche
Gleichzeitig sollen Wasserstraßen weiter ausgebaut werden, damit die Binnenschifffahrt besser funktioniert. Das klingt vernünftig, solange genügend Wasser vorhanden ist. Doch die Bilder der extrem trockenen Sommer 2018 und 2022 haben gezeigt, wie Rhein und Mosel stellenweise zu schmalen Rinnsalen wurden.
Neue Schleusen helfen wenig, wenn schlicht das Wasser fehlt.
Was jetzt passieren muss
Die Autoren der Studie fordern deshalb ein Umdenken. Dort, wo keine Trinkwasserqualität notwendig ist, sollte aufbereitetes Brauchwasser deutlich häufiger eingesetzt werden.
Industrie und Landwirtschaft könnten so wertvolles Grundwasser sparen.
Gleichzeitig müssen Moore, Wälder und natürliche Auen besser geschützt werden, denn sie speichern Wasser wie riesige natürliche Schwämme. Auch Städte können helfen, indem sie mehr Flächen entsiegeln und Regenwasser versickern lassen, statt es möglichst schnell in die Kanalisation zu leiten.
Wasser ist keine Selbstverständlichkeit
Deutschland galt lange als wasserreiches Land. Doch diese Gewissheit gerät zunehmend ins Wanken. Klimawandel, steigender Wasserverbrauch und eine oft wenig nachhaltige Nutzung setzen unsere Grundwasservorräte unter Druck.
Wenn wir weiterhin mehr entnehmen, als die Natur nachliefern kann, wird Wasser zu einer immer wertvolleren Ressource. Vielleicht ist es an der Zeit, Grundwasser nicht länger als kostenlose Selbstbedienung zu betrachten, sondern als das, was es wirklich ist: die Lebensversicherung kommender Generationen.
Denn ohne Wasser gibt es weder Landwirtschaft, Industrie noch Kaffee am Morgen – und spätestens dann dürfte selbst der größte Klimaskeptiker merken, dass trockener Humor allein den Hahn nicht wieder zum Laufen bringt.
Quellen
BUND / Institut für sozial-ökologische Forschung (ISOE): Grundwasserstudie Deutschland (2025)
OECD: Global Drought Outlook 2025
Umweltbundesamt (UBA): Informationen zu Grundwasser, Wasserhaushalt und Klimawandel
Deutscher Wetterdienst (DWD): Klimastatus Deutschland und Niederschlagsentwicklung
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