Wenn der Wald nur so tut, als wäre er einer
Der Sommer zeigt wieder einmal, wie ernst die Klimakrise geworden ist.
In Südeuropa stehen riesige Flächen in Flammen. Besonders erschreckend ist die Lage in der französischen Gironde. Doch dort brennt vielerorts gar kein echter Wald.
Stattdessen lodern riesige Holzplantagen aus Kiefern, die auf früher trockengelegten Moor- und Sumpfgebieten angelegt wurden. Das klingt zwar nach Wald, ist aber eher ein Holzlager unter freiem Himmel mit eingebauter Selbstentzündungsgefahr.
Wer jetzt denkt: „Zum Glück gibt es so etwas bei uns nicht“, sollte besser noch einmal nach Brandenburg oder Sachsen schauen.
Auch dort prägen große Nadelholz-Monokulturen viele Landschaften.
Sie wachsen schnell und bringen Geld, kommen aber mit Hitze, Trockenheit und Schädlingen immer schlechter zurecht. Wenn der Regen ausbleibt, verwandeln sich solche Plantagen in einen riesigen Grillanzünder.
Der Wald verliert – die Ölkonzerne gewinnen
Während Menschen vor Flammen fliehen und ihre Häuser verlieren, klingeln bei den großen Öl- und Gaskonzernen weiter die Kassen.
Der Energieriese Shell meldete zuletzt einen Quartalsgewinn von rund 9,84 Milliarden US-Dollar – mehr als doppelt so viel wie im gleichen Zeitraum des Vorjahres.
Man könnte fast meinen, die Klimakrise sei für manche ein Geschäftsmodell. Die Rechnung bezahlen allerdings andere: Feuerwehren, Steuerzahler und vor allem die Menschen, die ihr Zuhause oder ihre Lebensgrundlage verlieren.
Gesunde Wälder sind echte Klimaschützer
Naturnahe Mischwälder sind zusammen mit Mooren die wichtigsten Kohlenstoffspeicher an Land. Sie nehmen große Mengen Kohlendioxid auf und helfen dabei, das Klima zu stabilisieren. Monokulturen können das deutlich schlechter.
Werden sie durch Hitze, Dürre oder Borkenkäfer geschädigt, speichern sie nicht nur weniger CO₂ – sie geben sogar wieder Kohlendioxid an die Atmosphäre ab. Damit entsteht ein gefährlicher Teufelskreis: Die Klimakrise schwächt die Wälder, geschwächte Wälder können das Klima immer weniger schützen, und dadurch verschärft sich die Erderwärmung weiter.
Allein zwischen 2018 und 2021 gingen laut Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft auf fast fünf Prozent der deutschen Waldfläche die Baumbestände vollständig verloren.
Gleichzeitig zeigen Untersuchungen des Weltklimarats IPCC, dass Wetterextreme wie Hitzewellen und Dürren durch den menschengemachten Klimawandel häufiger und intensiver werden.
Mehr Natur statt Holzfabrik
Naturschutzorganisationen wie Greenpeace fordern deshalb den Ausstieg aus Kohle, Öl und Gas sowie den Umbau unserer Wälder zu widerstandsfähigen Mischwäldern.
Das dauert zwar länger als das Pflanzen einer Kiefernplantage, dafür entsteht ein Wald, der seinen Namen auch verdient. Denn am Ende ist ein echter Wald eben mehr als eine Ansammlung von Bäumen in Reih und Glied.
Er ist Lebensraum, Wasserspeicher, Klimaschützer und die beste Versicherung gegen die Feuer von morgen. Vielleicht sollten wir aufhören, Wälder wie Holzfabriken zu behandeln – bevor sie uns endgültig in Rauch aufgehen.
Quellen: Greenpeace Deutschland, Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL), Weltklimarat (IPCC), European Forest Fire Information System (EFFIS).
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