Mythen und Sagen aus dem Vogtland III. Teil

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Drachengrotte im Stadtpark soll wieder Wasser speien

Ein Drache mit trockenem Hals

DRACHENGROTTEWer regelmäßig durch den Stadtpark in Plauen spaziert, kennt sie: die Drachengrotte. Eigentlich sollte der steinerne Drache Wasser speien und Besucher begeistern. Doch seit vielen Jahren herrscht dort eher Funkstille. Aus dem Drachenmaul kommt nur dann etwas heraus, wenn Petrus persönlich die Leitung übernimmt und es regnet. Für einen Brunnen ist das natürlich ungefähr so sinnvoll wie ein Regenschirm mit Löchern.

Doch genau das soll sich nun ändern. Die Stadt Plauen hat mit der Sanierung begonnen, und auch der Verein der Freunde Plauens unterstützt das Vorhaben mit viel Herzblut. Ziel ist es, dass der Drache bald wieder das tut, was Drachen in einer Brunnenanlage eben tun sollten: Wasser speien und die Menschen erfreuen.

Ein Stück Plauener Geschichte erwacht

Die ersten Veränderungen sind bereits sichtbar. Wildwuchs wurde entfernt, das Becken soll entschlammt werden und auch der inzwischen in die Jahre gekommene Metallzaun wird verschwinden. Stattdessen soll die Drachengrotte wieder ein harmonischer Bestandteil des historischen Stadtparks werden.

Der Verein der Freunde Plauens engagiert sich seit vielen Jahren für den Erhalt historischer Bauwerke. Ob die Fontäne im Stadtpark, das Dach des Kemmlerturms oder zahlreiche andere Projekte – überall steckt viel ehrenamtliche Arbeit dahinter. Die Drachengrotte reiht sich nun in diese lange Liste ein.

Gesucht werden alte Fotos und Erinnerungen

Bei der Restaurierung gibt es allerdings noch ein kleines Rätsel. Früher befand sich an der linken Felswand eine steinerne Platte. Heute weiß niemand mehr genau, wie sie aussah oder welche Inschrift sie trug.

Deshalb sind nun die Plauener gefragt. Vielleicht schlummern auf Dachböden oder in alten Fotoalben noch Aufnahmen der Drachengrotte aus vergangenen Jahrzehnten. Jede Aufnahme kann helfen, ein weiteres Puzzlestück der Geschichte zu entdecken.

Geplant ist nach Abschluss der Arbeiten sogar eine Ausstellung im Rathaus. Dort soll die Entwicklung des Stadtparks und besonders der Drachengrotte anhand historischer Fotografien und Erinnerungen dokumentiert werden. Manchmal liegen eben die größten Schätze nicht in einer Schatztruhe, sondern zwischen vergilbten Familienfotos.

Wenn alte Sagen wieder lebendig werden

Die Veranstaltung drehte sich jedoch nicht nur um den Brunnen. Im Mittelpunkt standen ebenso die Sagen des Vogtlandes. Denn Geschichten gehören genauso zur Heimat wie Gebäude und Landschaften.

Ob geheimnisvolle Hasen, schwarze Hunde, weiße Frauen oder rätselhafte Berggeister – das Vogtland besitzt einen erstaunlich reichen Schatz an alten Überlieferungen. Viele dieser Geschichten kennen heute nur noch wenige Menschen. Genau deshalb möchte der Verein sie sammeln und bei regelmäßigen Lesungen wieder zum Leben erwecken.

Jeder, der selbst eine Sage kennt oder vielleicht noch Erzählungen der Großeltern im Gedächtnis hat, ist eingeladen mitzumachen. Denn Heimatgeschichte lebt nicht in Archiven allein, sondern vor allem durch Menschen, die sie weitererzählen.

Warum plötzlich ein Bergmann auf der Bühne stand

Für einige Besucher war zunächst etwas rätselhaft, warum einer der Vorleser im traditionellen Bergmannsgewand erschien. Die Erklärung war jedoch ganz einfach. Er gehört nicht nur dem Verein der Freunde Plauens an, sondern ist auch Zweiter Vorsitzender des Vogtländischen Bergknappenvereins.

Der BergknappeDabei führte die Reise zunächst ins Erzgebirge zur alten Sage vom Bergmann Daniel Knappe. Sie erzählt von einem armen Bergmann, der nach einem Traum unter den Wurzeln eines Baumes mächtige Silbervorkommen entdeckt und damit den Grundstein für die spätere Bergstadt Annaberg legt. Von ihm soll sogar der Name der Bergknappen stammen.

So entstand ganz nebenbei eine spannende Verbindung zwischen der Bergbaugeschichte des Erzgebirges und dem Vogtland.

Sagen aus allen Teilen des Vogtlandes

Im Laufe des Nachmittags führte die Reise quer durch das gesamte Vogtland. Da war die Geschichte vom Burgsteinbecher in Gattendorf, bei der ein geheimnisvoller Kelch erscheint. Das Holzweibel aus Triebes zeigte, dass man selbst kleine Waldgeister besser höflich behandelt. Der sagenhafte Stelzbaum erinnerte daran, dass Mut und Gerechtigkeit manchmal doch Wurzeln schlagen können. Und schließlich erzählte die Sage vom Falkenstein, wie ein geretteter Falke später seinem Retter das Leben schenkte.

Nach der Pause wartete sogar ein historischer Film über das Alte Schloss Schönfeld bei Bad Elster. Alte Burgen, verborgene Schätze und geheimnisvolle Schlüssel gehören schließlich zu jeder guten Sage wie Senf zur Bratwurst.

Fast zum Abschluss führte die Reise noch zum Kapellenberg bei Schönberg. Dort begegneten die Besucher den geheimnisvollen Venedigern, die angeblich nach Gold suchten, tatsächlich aber wertvolle Mineralien entdeckten und damit Stoff für eine der spannendsten Vogtland-Sagen lieferten.
Ganz zum Schluss gab es eine Sage, die mir merkwürdig bekannt vorkam und auf Nachfrage wurde gestanden, dass sie von einer Internetseite hatte. Also gibts hier
Die Sage vom Nachtwächtergeist von Plauen

Geschichte lebt vom Mitmachen

Die Veranstaltung zeigte eindrucksvoll, dass Heimatgeschichte weit mehr ist als alte Jahreszahlen oder verstaubte Bücher. Sie lebt von Erinnerungen, Erzählungen und Menschen, die bereit sind, ihr Wissen weiterzugeben.

Vielleicht findet sich in irgendeiner Schublade tatsächlich noch ein Foto der alten Drachengrotte. Vielleicht kennt jemand eine fast vergessene Sage oder traut sich im nächsten Jahr selbst ans Rednerpult. Dann wäre nicht nur der Drache wieder zum Leben erwacht, sondern auch ein Stück vogtländischer Geschichte.

Und wer weiß: Vielleicht speit der Drache bald wieder Wasser, die Besucher staunen und die alten Geschichten finden neue Zuhörer. Verdient hätte es diese besondere Ecke des Plauener Stadtparks allemal.

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