Europa diskutiert, China baut – Warum die Zukunft gerade woanders entsteht

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Europa plant, China macht

So stellt sich die Lage für mich dar, wenn ich die Tagesmedien sehe und als Kontrast die „Intersolar“ in München.

Europa redet gern über neue Technologien. Es gibt Strategien, Förderprogramme, Konferenzen und Kommissionen.
Nur beim Bauen wird es manchmal etwas zäh. Ein echter Binnenmarkt für viele Zukunftstechnologien scheint nicht oder bis heute nur eingeschränkt zu existieren.
Während noch geprüft wird, welche Vorschrift auf Seite 327 geändert werden muss, rollen anderswo schon die Bagger an. 

Das größte Energieprojekt der Welt

China baut derzeit vielleicht das größte Energieprojekt der Menschheitsgeschichte.
Über das ganze Land entstehen intelligente Stromnetze und Ultrahochspannungsleitungen, die Strom über mehr als 1.000 Kilometer mit gerade einmal rund einem Prozent Verlust transportieren können. Gleichzeitig werden die Netze immer stärker automatisiert.
Moderne Leistungselektronik und riesige Batteriespeicher gleichen Schwankungen automatisch aus und übernehmen Aufgaben, für die früher große Kraftwerke nötig waren, von den Kraftwerken drehen die Generatoren leer, um so das Netz zu stabilisieren.
Und gerade ”Siemens Energy” baut da mit. Aber  nicht für den deutschen Markt, denn das scheint ja politisch nicht gewollt.

Roboter statt Fachkräftemangel

China weiß, dass die Bevölkerung älter wird und ihre Ein-Kind-Politik geschadet hat, dass weniger Menschen arbeiten werden.
Statt jahrelang über den Fachkräftemangel zu klagen, setzt das Land auf Automatisierung.
In Fabriken übernehmen Roboter immer mehr Aufgaben, künstliche Intelligenz steuert Produktionsabläufe und digitale Systeme sorgen dafür, dass Prozesse schneller und günstiger werden.
Das ersetzt keine Menschen vollständig, macht aber viele Arbeiten einfacher. Trotzdem sind die dunklen Fabriken wahr.

Viele Lösungen statt nur einer Idee

Bemerkenswert ist die chinesische Denkweise. Wird ein Problem erkannt, arbeitet man nicht nur an einer einzigen Lösung.
Es werden gleich mehrere Technologien entwickelt. Manche scheitern, andere setzen sich durch.
Die gescheiterten Ideen verschwinden aber nicht einfach in der Schublade oder werden verworfen, sondern liefern Erfahrungen.
Deshalb stehen heute Batteriespeicher von kleinen 800-Watt-Systemen für Privathaushalte bis hin zu riesigen Anlagen mit zwei Gigawatt Leistung bereit – und das in ganz unterschiedlichen Technologien.

Natrium-Ionen-Batterien

Auch bei Batterien geht China neue Wege. Neben Lithium-Ionen-Batterien werden Natrium-Ionen-Batterien immer wichtiger. Natrium ist preiswert, weltweit verfügbar und macht unabhängiger von knappen Rohstoffen. Für viele Anwendungen reichen diese Batterien völlig aus.

Ein automatisiertes Stromnetz braucht dafür schnelle Hochleistungsspeicher, moderne Leistungselektronik, Millionen Sensoren, intelligente Stromzähler, digitale Leitstellen, künstliche Intelligenz, sichere Kommunikationsnetze und leistungsfähige Software.
So kann Strom genau dorthin fließen, wo er gerade gebraucht wird – auch wenn Wind und Sonne einmal Pause machen.

Europa besitzt hervorragende Wissenschaftler, Ingenieure und Unternehmen.
Doch Wissen allein reicht nicht. Wer die Technologien der Zukunft entwickeln will, muss auch bereit sein, sie schnell auszuprobieren und umzusetzen. Sonst verkauft am Ende jemand anderes die Lösungen – und Europa darf sie anschließend importieren.

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