Ein Ausflug in eine Welt ohne „Betreten verboten“
Am 31. Mai war ich gemeinsam mit meinem Assistenten Patrick zur Eröffnung des neuen inklusiven Bauerngartens im Vogtländischen Freilichtmuseum Eubabrunn eingeladen. Schon beim Ankommen wurde klar:
Hier wird nicht nur Geschichte gezeigt, hier wird Geschichte zum Anfassen, Riechen und Erleben gemacht. Während andernorts oft lange darüber diskutiert wird, wie Inklusion funktionieren könnte, hat man in Eubabrunn einfach angefangen und einen Garten geschaffen, den alle besuchen können.
Das Klannet – das kleine Paradies der Vogtländer
Früher gehörte fast zu jedem Bauernhof ein Garten.
Im Vogtland wurde dieser liebevoll „Klannet“ genannt. Das bedeutet so viel wie Kleinod oder kleine Kostbarkeit.
Und tatsächlich war dieser Garten damals eine Art Supermarkt, Apotheke und Blumenladen in einem. Gemüse, Obst und Kräuter wuchsen direkt vor der Haustür.
Heute würde man wahrscheinlich von einem nachhaltigen Selbstversorgerzentrum sprechen und dafür eine App entwickeln.
Der neue Bauerngarten erinnert an diese Tradition. Hochbeete und Beschreibungen in leichter Sprache sorgen dafür, dass jeder Besucher die Pflanzen kennenlernen kann.
Genau so sollte moderne Heimatpflege aussehen.
Eine Zeitreise durchs Vogtland
Der Bauerngarten ist jedoch nur ein Teil des Erlebnisses. Das eigentliche Highlight bleibt das gesamte Freilichtmuseum.
Hier wurden historische Häuser aus dem ganzen Vogtland abgebaut und in Eubabrunn wieder aufgebaut.
Man spaziert durch vergangene Jahrhunderte und entdeckt Berufe, die heute fast vergessen sind.
Besonders beeindruckt hat mich die Stellmacherwerkstatt. Stellmacher bauten und reparierten früher Wagen und Räder.
Mein Onkel Arno war ebenfalls Stellmacher und besaß in Dehles eine vollständig eingerichtete Werkstatt.
Damals brauchte man für ein kaputtes Wagenrad keinen Online-Shop und keine Lieferzeit von drei Tagen.
Brot, Schafe und leichte Sprache
Rund um die Eröffnung gab es zahlreiche Angebote. Historische Schafschur, Nutztierschau, Kräuterworkshop,
Taubenmarkt und Bastelstände sorgten dafür, dass keine Langeweile aufkam.
Selbst der historische Backofen aus dem 19. Jahrhundert wird noch genutzt und erinnert daran, dass Brot früher nicht aus dem Supermarktregal kam.
Besonders gelungen ist das Museumsprojekt mit Texten in leichter Sprache.
Schülerinnen und Schüler aus Markneukirchen haben die Inhalte gemeinsam verständlicher gemacht.
Unterstützt wurde das Projekt vom SAEK Plauen.
So können Menschen mit Leseschwäche, Kinder oder Gäste mit anderer Muttersprache die Geschichte des Vogtlands besser verstehen.
Heimat für alle
Eubabrunn zeigt, dass Heimat nicht aus Mauern besteht, sondern aus Menschen.
Der neue inklusive Bauerngarten beweist, dass Tradition und Zukunft wunderbar zusammenpassen. Inklussive einem Regenguss.
Vielleicht ist das die wichtigste Botschaft dieses Tages: Eine Gesellschaft wird nicht stärker, wenn sie Menschen ausschließt.
Sie wird stärker, wenn alle mitmachen dürfen.
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