Der traditionelle Jahresempfang des Oberbürgermeisters gehört in der Stadt Plauen seit Jahren zu den wichtigsten gesellschaftlichen Veranstaltungen. Auch diesmal durfte ich gemeinsam mit meinem Assistenten Christian teilnehmen. Wie in den vergangenen Jahren stand der Abend unter einem besonderen Motto – und diesmal rückte eine Berufsgruppe in den Mittelpunkt, ohne die eine funktionierende Gesellschaft kaum denkbar wäre: das Handwerk.
Ein Abend der Begegnungen
Bevor der offizielle Teil begann, bot sich zunächst Gelegenheit zu vielen Gesprächen. Neben zahlreichen Vertreterinnen und Vertretern aus dem Handwerk waren auch Bürgermeister ,Landtags- und Kreistagsabgeordnete, Ehrenbürger, Stadtplakettenträger, Mitglieder von Vereinen sowie Vertreter der Stadtverwaltung anwesend.
In seiner Rede würdigte der Oberbürgermeister unter anderem den Vogtland-Landrat Thomas Hennig. Besonders hob er dessen Bereitschaft hervor, gemeinsam mit der Stadt an einer langfristigen Lösung für die Zukunft der Straßenbahn zu arbeiten. Er bemerkte, Hennig könnte „der erste Landrat werden, der uns Plauener nach mehr als einem Jahrzehnt im Vogtlandkreis wirklich ankommen lässt“.
Stimmen aus dem Handwerk
Neben dem Oberbürgermeister sprach auch der Präsident des Zentralverbandes des Deutschen Bäckerhandwerks, Roland Ermer, sozusagen der „oberste Bäcker Deutschlands“.
Der Bäckermeister, der selbst zweieinhalb Filialen betreibt, nutzte die Gelegenheit, um auf wichtige politische Themen aufmerksam zu machen.
Er sprach über notwendige Reformen in der Rentenpolitik, der Pflege und im Gesundheitswesen.
Vor allem müsse Arbeit wieder attraktiver werden. Sozialversicherungspflichtige Beschäftigung dürfe nicht länger so belastet sein, dass vom Brutto immer weniger Netto übrig bleibt.
Auch der Geschäftsführer der Maler Plauen GmbH, Andreas Stephan, schilderte die Situation im regionalen Handwerk. Allein in Plauen gibt es rund 800 Handwerksbetriebe – ein eindrucksvoller Beleg für die wirtschaftliche Bedeutung dieser Branche.
Zwischen Stolz, Bürokratie und Nachwuchssorgen
Bemerkenswert war, dass keiner der Redner die Lage dramatisierte. Weder wurde ein düsteres Krisenbild gezeichnet noch die Realität beschönigt.
Stattdessen beschrieben sie den Alltag im Handwerk so, wie er tatsächlich ist:
- Schwierigkeiten, geeignete Lehrlinge zu finden
- wechselnde Auftragslagen
- steigender Preisdruck
- eine oft überbordende Bürokratie
Gleichzeitig wurde deutlich, wie viel Stolz und Erfüllung in diesen Berufen steckt. Wer mit den eigenen Händen etwas schafft, sieht am Ende des Tages ein konkretes Ergebnis – und genau das macht für viele den Reiz des Handwerks aus.
Eine interessante Bemerkung kam ebenfalls von Roland Ermer: Für ihn gehört auch die Pflege zum Handwerk. Schließlich gehe es auch dort um praktische Fähigkeiten, Verantwortung und menschliche Nähe. Ein Gedanke, der zum Nachdenken anregt.
Kultur als festlicher Rahmen
Der Abend wurde musikalisch auf hohem Niveau begleitet. Die Clara-Schumann-Philharmoniker Plauen-Zwickau spielten unter der Leitung von Leo Siberski unter anderem die Ouvertüre aus der Oper La forza del destino von Giuseppe Verdi.
Für die vokalen Höhepunkte sorgte die Sopranistin Christina Maria Gass mit der berühmten Arie „Sempre libera“ aus der Oper La Traviata.
Auch Musicalfreunde kamen auf ihre Kosten: Mit „Ich gehör’ nur mir“ aus dem Musical Elisabeth setzte sie einen emotionalen Schlusspunkt.
Ein Abend mit klarer Botschaft
Der Jahresempfang machte deutlich: Das Handwerk ist weit mehr als ein Wirtschaftsfaktor. Es steht für Tradition, Verantwortung und gesellschaftlichen Zusammenhalt.
Gerade in Zeiten wirtschaftlicher und sozialer Veränderungen bleibt das Handwerk ein stabiler Pfeiler unserer Gesellschaft – auch in einer Stadt wie Plauen.






