🌕 Die Weiße Frau von Schloss Voigtsberg
Hier ist die Sage von der Weißen Frau von Schloss Voigtsberg (Oelsnitz im Vogtland), so wie sie überliefert wird – geheimnisvoll, traurig und mit einer Prise Spuk:
Vor langer Zeit lebte auf Schloss Voigtsberg bei Oelsnitz eine schöne, junge Adelige. Ihr Herz gehörte nicht einem edlen Ritter, wie es sich für eine Dame ihres Standes gehört hätte, sondern einem einfachen Knecht aus dem Dorf. Die beiden trafen sich heimlich in der Nacht im Schlossgarten oder in den alten Gewölben unter dem Bergfried.
Doch wie es oft in solchen Geschichten ist, blieb ihre Liebe nicht lange verborgen. Der Vater der jungen Frau – ein strenger Burgherr – erfuhr davon.
Rasend vor Wut verbot er ihr jede weitere Begegnung und ließ den jungen Knecht in den Kerker werfen.
Die Legende erzählt, dass die junge Frau ihren Geliebten befreien wollte. In einer stürmischen Nacht schlich sie sich in den Kerker, doch dabei wurde sie entdeckt – von ihrem eigenen Vater. Als Strafe ließ er sie in ein Fensterverlies sperren, wo sie tage- und wochenlang ausharren musste, bis sie aus Gram, Hunger und Kummer starb.
Seitdem soll ihr Geist als Weiße Frau durch das Schloss wandeln. Besucher berichten von einer bleichen Gestalt im langen Gewand, die in mondhellen Nächten durch die Gänge schwebt – oft mit gesenktem Kopf, manchmal auch klagend oder suchend.
Manche sagen, sie erscheint, wenn ein Unglück naht. Andere glauben, sie sucht noch immer ihren toten Geliebten – oder Erlösung für ihren Verrat an der Familie.
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👻 Erscheinungen & Volksglaube
Die Weiße Frau wurde besonders häufig in den oberen Etagen und nahe des Burgturms gesehen.
Alte Burgführer sprachen davon, dass Spiegel im Schloss beschlagen, wenn sie anwesend ist – obwohl niemand im Raum sei.
Ein alter Spruch aus Oelsnitz sagt:
„Wo’s kalt im Nacken zieht bei Nacht, die Weiße Frau hat’s aufgemacht.“
Quelle: Sagen aus dem Vogtland – Die weiße Frau von Voigtsberg, in: Johann Georg Theodor Grässe: Sagenschatz des Königreichs Sachsen (Band 2, Dresden 1874), S. 312 ff., digitalisiert auf sagenpfa.de und Deutsche Digitale Bibliothek.
Sage vom Wassermann an der Elster

Ein Wassermann – eine kleine grüne Gestalt mit grünen Haaren und Augen – soll um die Mittagszeit an der Zahnmühle am Ufer der Elster sitzen und sich die Haare kämmen. Der Legende nach fordert er jedes Jahr ein Menschenleben. Diese Sage ist im „Sagenschatz des Königreichs Sachsen“ von Johann Georg Theodor Grässe überliefert
Sage vom Wassermann bei Oelsnitz
Seit alten Zeiten erzählen sich die Menschen im Vogtland, dass in der Weißen Elster ein Wassermann wohnt.
Manche sagen, er sei ein kleiner, untersetzter Mann mit grünem Haar und Bart, die Haut schimmernd wie Algen, und in den Augen leuchte es wie das Wasser in der Sonne.
Der Wassermann lebte nicht nur im Fluss – er konnte auch am Ufer erscheinen. Besonders an stillen, heißen Sommertagen, wenn die Elster träge dahinplätscherte, setzte er sich auf einen Stein oder einen umgestürzten Baumstamm und kämmte mit einem Kamm aus Fischknochen sein grünes Haar.
Doch wer ihn störte, war verloren.
Die Leute erzählten, der Wassermann fordere jedes Jahr ein Menschenopfer. Meist war es ein unvorsichtiges Kind, das zu nah ans Wasser ging, oder ein junger Mann, der beim Fischen zu weit hinaus ins Flussbett watete. Plötzlich würde der Wassermann auftauchen, sie packen und mit sich in die Tiefe ziehen – in sein unterirdisches Schloss aus Muscheln und Steinen.
Zur Warnung erzählten Eltern ihren Kindern diese Geschichte, damit sie sich fern von der Elster hielten.
Und noch heute, wenn im Sommer jemand spurlos im Fluss verschwindet, flüstern die Alten im Vogtland:
„Der Wassermann hat sich wieder geholt, was ihm zusteht …“
Wie fast jeder Fluß hat auch die Elster ihren Wassermann. Ich erinnere mich desselben aus mancherlei Gesprächen in meinen Kinderjahren. Derselbe soll eine kleine Figur haben, grüne Augen und grüne Haare und öfters um die Mittagszeit in der Nähe der Zahnmühle zu sehen sein, wo er am Ufer sitzt und sich die Haare kämmt.
Viele Kinder und auch Erwachsene rühmen sich, ihn gesehen zu haben. Ihm soll es zuzuschreiben sein, daß die Elster jedes Jahr einen Menschen will.
Zur Zeit meines Aufenthaltes im älterlichen Hause fanden allerdings Viele ihren Tod in der Elster, theils freiwillig, theils durch Verunglückung, ob aber dies gerade in jedem Jahr der Fall war, wage ich nicht zu behaupten. Wie es in neuerer Zeit sich verhält, ist mir unbekannt.
Jedenfalls wäre es interessant, aus den Kirchenbüchern eine Uebersicht zusammen zu stellen, wann und wie oft Leute in den Fluthen der Elster den Tod fanden, um zu beweisen, ob der Wassermann wirklich jedes Jahr einen Menschen will.aus der Erinnerung mitgetheilt von Julius Schanz
Die Oelsnitzer Sperkensaga
Ein fremder Mann mit zwielichtigem Ruf wird verurteilt – und verwandelt beim Scheiterhaufen die Oelsnitzer Bürger in Spatzen, während ein Sturm folgt. Ein Rabe beendet den Spuk mit den Worten „Spatzen und Wind, ward’s und seid’s bis Kindeskind“. Diese Sage erklärt den Spitznamen der Oelsnitzer, die „Sperken“ genannt werden. Die Legende beruht auf den Erzählungen Karl Völkels, aufgezeichnet auf der Website der Stadt Oelsnitz
Sage vom Otterkönig bei Oelsnitz

Ein Ritter stiehlt die Krone eines Otterkönigs und flieht durch die Elster. Zwar erreicht er sein Zuhause lebend, doch eine Otter, die sich an seinem Pferdeschwanz festgebissen hat, bringt ihn im Stall um – der Schatz wird sein Verderben. Auch das entstammt dem „Sagenschatz“ von Grässe
Hier die nacherzählte Sage vom Otterkönig bei Oelsnitz — im Ton der alten Vogtländer Überlieferung:
Es war in alten Zeiten, als die Menschen noch mit Ehrfurcht an Flüsse und Weiher dachten, da lebte in der Weißen Elster bei Oelsnitz ein seltsames Volk unter der Wasserfläche: die Ottern. Über allen aber herrschte der Otterkönig, ein uraltes, kluges und mächtiges Tier, dessen Krone aus glänzenden Schuppen und Kraft bestand. Wer seine Krone besaß, dem schien große Macht über die Ottern zuwachsen — doch die Krone war heilig und durfte nicht geraubt werden.
Einst aber überkam einen kühnen Ritter die Gier. Er hatte von der Krone gehört und sinnte darauf, sie zu rauben. Heimlich ging er an des Flusses Rand, fing den Otterkönig im Schlaf und steckte die Krone in sein weißes Tuch. Auf seinem Pferd sprang er davon, stolz über den gelungenen Diebstahl. Noch auf dem Rücken seines Rosses aber erhob sich ein jäher Pfiff — so schrill und klar, daß aus allen Ritzen des Flusses die Ottern hervorschnellten. Sie folgten ihm wie ein dunkler Strom, zischten und krochen über die Ufer.
Um der tödlichen Verfolgung zu entgehen, stürzte der Ritter und ritt in die Elster hinein. Er ritt und ritt, bis sein Pferd matt wurde und er selbst kaum noch atmen konnte; doch schließlich gelang es ihm, an das andere Ufer zu schwimmen und in seine Behausung zu entkommen. Dort riss er das Tuch auf und freute sich des gestohlenen Schatzes.
Doch die Krone trug einen Fluch: in der Nacht, am hellichten Tag — der Ritter konnte sie nicht mehr loswerden. Die Ottern erhoben sich immer wieder und verlangten ihr Recht. Manche sagen, die Krone kehrte heim in die Tiefe; andere behaupten, der Ritter verlor all seinen Mut und nahm die Strafe seiner Tat in Form von Unruhe und Verfolgung auf sich. So mahnt die Sage bis heute: Unrecht an den Mächten der Natur bleibt nicht ungetroffen.
Der Mönch im Oels’schen Hause
In einem alten Haus, einst im Besitz eines Kaufmanns namens Oels, soll abends ein alter, grau gekleideter Mönch aus einem Gewölbe erscheinen, durch das Haus wandeln und wieder verschwinden – ohne jemandem zu schaden.
Die Sage ist aber belegt als Titelpunkt (Nr. 104) in der Sammlung „Volksbrauch, Aberglauben, Sagen und andere alte Überlieferungen im Voigtlande“ von Johann A. Köhler (1867) ernsterverlag-rockstuhl.de. Das deutet darauf hin, dass dieser Geister- oder Spukmythos tatsächlich in der regionalen Überlieferung vorkommt, aber im Netz nicht ausgeschrieben ist.

