🩸⚔️ Das Blutbad auf dem alten Schlosse zu Plauen.
Als die Hussiten sich der Stadt Plauen näherten, flohen alle Bürger auf das alte feste Schloss, weil sie sich dort oben sicher fühlten. Und in der That gelang es auch ben anstürmenden Feinden nicht, dasselbe einzunehmen.
Da bestach der Anführer, es soll Prokop gewesen sein, den Thorhüter des Schlosses und versprach ihm einen Hut voll Dukaten, wenn er die Pforte öffnen würde.
Der aber ging auch darauf ein, als aber die Hussiten eindrangen, wurde ihm statt des Hutes voll Dukaten von den Feinden der Kopf abgeschlagen.
Die Hussiten richteten nun in der Burg ein schreckliches Blutbad an, Keiner sollte ihrem Schwerte entrinnen, und das Blut floß in Strömen beim unteren Thore herab. Nur
Zwei Bürger, welche sich in dem Brunnen versteckt hatten, kamen mit dem Leben davon, der eine hieß Loth, der Andere Pfund.
Als nun die Feinde abgezogen waren, kamen sie hervor und einer redete den Andern an: Nun, Löthele, bist benn auch noch da?“ Ja, Pfüntele“, sagte der andere. Darauf sind diese Namen Lothele und Pfundele den Familien geblieben. Es haben Leute, welche diese Namen führten, noch in neuerer Zeit in Plauen gelebt.
🕯️Der wahre Kern
Gert Müller:
Die Einnahme des Schlosses in Plauen, durch die Hussiten, durch „Verrätherei“ geschah wahrscheinlich zu Anfange des Jahres 1430. Es sollen sich aber nach einer anderen Ueberlieferung drei Bürger erhalten haben, nämlich zwei Pfündel und ein Gehring. (Fickenwirth, Chronik von Lengenfeld, S.176.)
Im Dialog mit dem Archäologen Dr. Jörg Wicke kamen wir zu folgenden Ergebnissen:
Die Sage nennt als Versteckte die Herren Loth/Löthele und Pfund/Pfündele, alternativ zwei Herren namens Pfündel und ein Herr Gering
Alle Namen kommen in dieser oder ähnlicher Form im 1388 begonnenen Stadtbuch vor (Sahle 1996):
– Loth: kommt nicht vor, dafür aber mehrmals „Luther/Lother“ (und weitere Schreibweisen); Loth tritt als Zinngießer 1798 in Erscheinung (https://www.mehlis.eu/de/catalogs/7915/item/3550/)
– Pfund: Heinrich Pfuntsteyn 1398; Hans Pfüntel 1430 (!), Nickel Pffuntil 1456
– Gering: Nikel Gerung 1388 (aus Neuendorf)
Das überrascht.
Das alle drei in der Sage genannten Namen so oder ähnlich im 14./15. Jh. in Plauen vorkommen, spricht für eine gewisse Authentizität der Überlieferung.
27.08.2015 fand eine Rettungsübung mit BSS und Wismut statt, da war man da drin (es wurden Fotos gezeigt)
Der Brunnen entstand mit dem Bau des Schlosses der Vögte.
Sebastian Münster schreibt in seiner Kosmografie, Basel 1598
Register und Verzeichnis etlicher Einwohner, so in diesem Hussitischen Tumult
(am 25. Januar 1430) wieder alle Treu und Glauben sind ermordet und erschlagen worden.“
Die vom Adel: Konrad Röder von Leubnitz, Konrad Röder von Pöhl, Konrad Wolßdorff (Vogt zu Vogtsberg) u.a.
12 Adlige mit 25 Knechten
Brüder des Predigerordens des Klosters Plauen
6 Predigerbrüder
Brüder Deutschen Ordens
11 Deutsche Ordenspriester und 2 Mönche
Die Bürger
119 Bürger, darunter 20 frühere Ratsherren
Insgesamt 175 Personen namentlich bestimmt
Unbestimmt 500 bis 900 Menschen getötet
Brandschatzung von Schloss und Stadt Plauen
Die Sage vom Blutbad in Plauen gehört zu den düstersten und eindrucksvollsten Geschichten aus dem historischen Vogtland. Sie beruht auf einem tatsächlichen Ereignis, das sich tief in das kollektive Gedächtnis der Stadt eingeprägt hat – halb Legende, halb grausame Wahrheit.
🩸⚔️ Die Sage vom Blutbad in Plauen
„Als das Pflaster rot war vom Blut der Bürger …“
Es war im Jahr 1327, als Plauen, damals eine wichtige Stadt im Besitz der Vögte von Weida, in schwere Unruhen geriet. Der regierende Vogt – oft genannt Heinrich der Strenge – war berüchtigt für seinen Machtwillen und seine Willkür. Die Bürger von Plauen litten unter hohen Abgaben, ungerechter Rechtsprechung und willkürlicher Gewalt durch seine Söldner.
Einige angesehene Männer der Stadt, Kaufleute und Handwerker, begannen sich zu widersetzen. Sie forderten mehr Mitbestimmung, Mäßigung der Gewalt und Schutz der Bürgerrechte. Es war ein Aufbegehren – vorsichtig, aber mutig.
🏰 Der Verrat
Der Vogt jedoch spielte ein böses Spiel: Er gab sich verständnisvoll, lud die Wortführer der Bürger ins Schloss Plauen ein – angeblich zu Verhandlungen.
Doch kaum hatten die Männer die Burg betreten, ließ er die Tore verriegeln. Noch in der selben Nacht wurden sie gefoltert, öffentlich erniedrigt und schließlich hingerichtet – auf dem Marktplatz von Plauen, unter dem Vorwand des „Hochverrats“.
🩸 Das Blutbad
Doch damit nicht genug: Um ein Exempel zu statuieren, ließ der Vogt auch Dutzende weiterer Bürger verhaften und töten. Man schleifte sie auf den Platz, köpfte sie oder schlug sie nieder, und die Straßen liefen sprichwörtlich rot vom Blut.
Es heißt, der Brunnen auf dem Altmarkt färbte sich dunkel – und noch Tage später roch das Pflaster nach Eisen und Tod.
👻 Die Legende danach
Die Sage erzählt:
In der Nacht nach dem Massaker stieg Nebel über der Stadt auf, und aus den Gassen hörte man Stimmen – flüsternd, klagend, schreiend.
Viele sagten, sie hätten die kopflosen Schatten der Hingerichteten durch die Altstadt wandeln sehen.
Seither, so wird berichtet:
- Der Marktplatz ist manchmal seltsam still – selbst bei Wind kein Rascheln.
- Nachtwächter berichten von einem Chor aus Flüstern, der genau zur Todesstunde erklingt.
- Man sagt, wer mit ungerechtem Herzen über den Platz geht, fühlt sich plötzlich schwer, atemlos, beobachtet.
🕯️ Bedeutung & Ursprung
- Historisch gab es Machtkämpfe zwischen den Vögten und den aufstrebenden Bürgern, wobei Gewalt tatsächlich vorkam – das sogenannte „Blutbad“ ist wohl überhöht, aber auf einem wahren Konflikt begründet.
- Die Sage dient als Warnung vor Tyrannei, aber auch als Mahnung gegen den Preis des Aufbegehrens.
- Sie ist ein seltenes Beispiel für eine städtische Sage, in der nicht Magie oder Dämonen, sondern Macht, Stolz und Verrat das Grauen auslösen.

