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Bündnis aus Parteien, Gewerkschaften und Initiativen für soziale Gerechtigkeit und Demokratie
Was in der „Freien Presse“ noch wie eine nüchterne Meldung klang – > Kundgebung: Am Donnerstag findet auf dem Albertplatz in Plauen von 10 bis 12 Uhr eine Kundgebung anlässlich des Tags der Arbeit statt. Eine Gesprächsrunde und Livemusik der Band Lyra sind dabei zu erleben. <
– entpuppte sich vor Ort als lebendige, bunte und politisch aufgeladene Versammlung. Zahlreiche Organisationen, Parteien und Initiativen nutzten den Tag der Arbeit, um ein sichtbares Zeichen für soziale Gerechtigkeit, Demokratie und Solidarität zu setzen.
Mit dabei waren SPD, Die Grünen, Die Linke samt Linksjugend. Sie luden mit der Forderung „Arbeitszeitbegrenzung beibehalten“ zu Kaffee und Kuchen ein.
Daneben präsentierte sich die Freie Arbeiter:innen Union (FAU) Plauen, ein Teil der selbstorganisierten Gewerkschaftsbewegung aus Jena – für viele Teilnehmende ein neuer und interessanter Akteur, der schon seit 2023 in Plauen am Start ist, sowie das Bündnis Sahra Wagenknecht (BSW)
Auch große Gewerkschaften wie Verdi, IG Metall Zwickau und die Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft (EVG) waren vertreten – letztere zwar dezent am Rande, aber dennoch sichtbar. Zivilgesellschaftliche Initiativen wie „Omas gegen Rechts“, KARO e.V., „Demokratie leben“. Das Familienzentrum Junges Leben zeigte ebenfalls Präsenz und trug zur offenen Atmosphäre bei. Ein großer regenbogenfarbiger Sonnenschirm und Liegestühle der “Koordinierungsstelle für Demokratie” Vogtland Vernetzt machten Sommerfeeling.
Plakate mit Botschaften wie „Nie wieder Faschismus“, „Tax the Rich“, „Demokratie geht nur gerecht“ oder „Unsoziale Politiker sanktionieren“ machten klar: Hier geht es um mehr als nur Tarifpolitik, obwohl die Gewerkschaften die ersten waren.
Eine bunte Hüpfburg, regenbogenfarbene CSD Transparente und kritische Fragen wie „Kein Rederecht für Parteien?“ unterstrichen die Vielfalt und das Engagement der Teilnehmenden.
Musikalisch begleitet wurde die Kundgebung von der Band Lyra und mindestens vier Kindertanzgruppen, die dem Geschehen eine emotionale Note verliehen.
Zwei Redebeiträge taten ihr Übriges.
Der 1. Mai in Plauen zeigte deutlich: Die Menschen wollen mitreden – bunt, laut und solidarisch.
Und das ist mir drei weitere Artikel über die gleiche Veranstaltung wert.
1. Mai: Gemeinsam stark – Für Gerechtigkeit und eine bessere Zukunft!
Die ersten, die ans Mikrofon durften, waren die Gewerkschaften. Und das klang ungefähr so:
Liebe Kolleginnen und Kollegen,
Wir versammeln uns heute, am 1. Mai, um gemeinsam für unsere Rechte und unsere Zukunft einzustehen. Seit über 135 Jahren gehen Menschen an diesem Tag auf die Straße – für bessere Arbeitsbedingungen, höhere Löhne und soziale Gerechtigkeit. Gerade in diesen unruhigen Zeiten brauchen wir Orientierung und Zusammenhalt.
Wir haben in den vergangenen Tarifrunden einiges erreicht – etwa Lohnerhöhungen von über 5,5 % in vielen Branchen. Diese Ergebnisse sind kein Zufall und erst recht kein Geschenk der Arbeitgeber.
Kein Chef steht morgens auf und denkt sich: „Heute zahle ich freiwillig mehr Lohn.“ Nein – es braucht uns alle, die sich engagieren, streiken, laut sind. Nur durch unsere gemeinsame Kraft konnten wir beispielsweise auch zusätzliche freie Tage erkämpfen und Kaufkraft sichern. Und dazu fügte die Rednerin: “Es geht ihr gewaltig auf’n Senkel, dass auch die nutznießer sind die nichts dafür tun”
Gewerkschaften für über 7,5 Millionen Beschäftigte.
Und doch erleben wir immer wieder: Viele profitieren von Tarifverträgen, ohne selbst Mitglied zu sein. Oft sind es genau diese Menschen, die sich dann über unzureichende Löhne beklagen. Doch Errungenschaften wie die Lohnfortzahlung im Krankheitsfall – eingeführt durch gewerkschaftliches Engagement in den 1950er Jahren – sind keine Selbstverständlichkeit. Sie wurden hart erkämpft, mit Ausdauer, Streik und Solidarität.
Deshalb bleibt es unsere Aufgabe, mehr Menschen für die Gewerkschaft zu gewinnen. Denn: Eine starke Gewerkschaft ist die Stimme der Beschäftigten. Wer soziale Sicherheit und eine gerechtere Gesellschaft will, muss sich organisieren.
Mitgliedsanträge liegen aus.
Die neue Bundesregierung hat ihren Koalitionsvertrag vorgelegt – auf 146 Seiten steht, wie die großen Herausforderungen unserer Zeit angegangen werden sollen. Viele dieser Vorhaben stehen unter Finanzierungsvorbehalt.
Gut ist, dass sie ein Tariftreuegesetz einführen wollen, das für gleiche Wettbewerbsbedingungen und mehr Gültigkeit von Tarifverträgen sorgt.
Gut ist auch, dass das Rentenniveau nicht unter 48 % sinken soll. Aber das reicht nicht: Wir fordern ein Rentenniveau von über 50 % und eine bessere Grundrente. Wer ein Leben lang gearbeitet, gepflegt oder erzogen hat, darf im Alter nicht arm sein.
Erschreckend ist dagegen, dass mit einer Änderung des Arbeitszeitgesetzes künftig sogar mehr als 12-Stunden-Tage möglich sein könnten. Im 19. Jahrhundert sind Arbeiterinnen und Arbeiter für kürzere Arbeitszeiten auf die Straße gegangen – und jetzt im 21. Jahrhundert sollen solche Zustände zurückkommen? Das ist ein Rückschritt und untragbar.
In einem der reichsten Länder der Welt leben 14 Millionen Menschen in Armut – darunter viele Alleinerziehende und Rentner. Gleichzeitig explodieren Managergehälter: Ein DAX-Vorstand verdient so viel, wie ein durchschnittlicher Beschäftigter in 200 Jahren nicht verdient. Diese Ungleichheit ist unerträglich.
Wir brauchen eine Politik, die den Menschen dient – mit gerechten Löhnen, bezahlbaren Mieten und guter Bildung. Dafür müssen wir uns engagieren, diskutieren, streiten – aber eben auch gemeinsam handeln.
Lasst uns also den 1. Mai nutzen, um laut und sichtbar zu sein. Die Gewerkschaft ist das stärkste Instrument, das die Schwächsten haben. Und deswegen sagen wir heute: Glück auf, bleibt gesund – und vor allem: Bleibt solidarisch






Solange es noch Kaffee und Kuchen gibt, kann es noch nicht ganz schlecht sein… Aber um dem vorzubeugen ist eine vernehmbare Meinungs- und Willensäußerung sicher angebracht!