Bleiben wir mal beim alten Kant
Der Ziellose erleidet sein Schicksal – der Zielbewusste gestaltet es.
Immanuel Kant (* 22. 4.1724 † 12. 2.1804 )
Der alte Kant und die große Anleitung fürs Leben
Der berühmte Philosoph Immanuel Kant hatte eine klare Idee: „Der Ziellose erleidet sein Schicksal – der Zielbewusste gestaltet es.“
Das klingt zunächst ziemlich beeindruckend. Fast wie ein uraltes Erfolgsrezept aus dem 18. Jahrhundert.
Man setzt sich ein Ziel, arbeitet hart daran und marschiert entschlossen Richtung Erfolg. Fertig ist die Lebensanleitung.
Man könnte meinen, Kant hätte damals bereits den ersten Motivationscoach erfunden.
Wahrscheinlich fehlten nur noch soziale Netzwerke und tägliche Sprüche mit Sonnenuntergang im Hintergrund.
Die moderne Welt spielt gerne Überraschungspaket
Doch heute lebt die Welt nach eigenen Regeln.
Man steht morgens motiviert auf und sagt: „Heute schaffe ich alles.“
Der Plan steht fest. Die Aufgaben sind sortiert.
Der Kaffee ist fertig. Und fünf Minuten später beginnt die Realität freundlich zu lachen.
Das Handy klingelt. Eine Nachricht kommt herein.
Der Computer macht ein Update. Irgendjemand braucht „nur kurz“ Hilfe. Aus fünf Minuten werden plötzlich zwei Stunden.
Am Abend fragt man sich, was eigentlich passiert ist.
Das ist die moderne Version des berühmten Schmetterlingseffekts.
Irgendwo flattert ein kleiner Schmetterling mit den Flügeln und plötzlich sitzt man später im Wohnzimmer und sucht nach dem Ladekabel, das vor wenigen Minuten noch direkt vor einem lag.
Kleine Dinge können große Folgen haben. Unsere Welt besteht aus unzähligen Verbindungen und Ereignissen, die sich ständig gegenseitig beeinflussen.
Niemand kann alles vorhersehen.
Ziele sind gut – aber ein bisschen Chaos reist kostenlos mit
Natürlich sind Ziele wichtig. Sie geben Orientierung und Motivation.
Ohne Ziele würden manche wahrscheinlich morgens aufstehen und sich fragen, warum sie eigentlich aufgestanden sind.
Doch selbst die besten Pläne treffen irgendwann auf die Wirklichkeit.
Und die Wirklichkeit ist bekannt dafür, eigene Ideen zu haben.
Zu Kants Zeiten gab es Unsicherheiten, aber heute scheint alles schneller zu laufen.
Nachrichten reisen in Sekunden um die Welt, Technologien verändern sich ständig und manchmal weiß sogar der Kühlschrank früher als wir selbst, dass Milch fehlt.
Die Geschwindigkeit des Lebens ist deutlich gestiegen.
Vielleicht geht es deshalb heute weniger darum, alles kontrollieren zu wollen.
Vielleicht ist es klüger, ein Ziel zu haben und gleichzeitig bereit zu sein, unterwegs neue Wege einzuschlagen.
Denn manchmal entstehen die besten Dinge gerade dann, wenn der ursprüngliche Plan längst verschwunden ist.
Und dann kommt Oliver Goldsmith mit einem Satz um die Ecke, der vielleicht erstaunlich beruhigend wirkt:
Die Menschen, die die besten Ratschläge geben, sind oft genau die, die sie selbst am wenigsten befolgen.
Irgendwie tröstlich. Sonst müssten wir alle perfekte Experten unseres eigenen Lebens sein – und das klingt ehrlich gesagt nach ziemlich viel Arbeit.
Wie seht ihr das? Seid ihr Team „Alles genau planen“ oder Team „Das Leben wird schon etwas daraus machen“? Schreibt eure Gedanken in die Kommentare.
Man hat beobachtet, daß niemand besser geeignet ist, andern Ratschläge zu erteilen, als diejenigen, die sie selbst am wenigsten befolgt haben.
Oliver Goldsmith (10.11.1728 – 04.04.1774)
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