Steffen (Margy) Marquardt

Vornweg muss ich sagen, dass ich den Text jetzt 10 Jahre später auf die Tatsache kürzen würde, dass ich am 2.5.2004 eine Stammhirnblutung hatte, auf Grund einer verschleppten Infektion beide Hüft köpfe verloren habe, dass ich auf einen Rollstuhl angewiesen bin und auch sonst einige Einschränkungen zurück behalten habe

- Lähmungen

- eine verlangsamte Wahrnehmung

- Seheinschränkung

- Höreinschränkung

- ich kann nur mit einer Tastatur schreiben kann, und dann die Buchstaben nacheinander eingebe.

So ein Text wie der hier dauert also einige Zeit, aber die hab ich ja, denn ich bin EU-Rentner.

Diesen Bericht hab ich absichtlich mit all den Fehlern so wie ich ihn 2006 geschrieben hatte hier herein kopiert:

Dieser Bericht geht da los wo es eigentlich aufhören sollte. Dieser Termin sollte der 2. Mai 2004 gewesen sein.

Ich ging an diesem Tag von der Ranch www.ranch-plauen.de/ nach Hause, wir hatten gerade eine Party mit den Midnight Ramblers beendet, legte mich schlafen und wachte gegen 11 Uhr mit einem eigentümlichen Rauschen im rechten Ohr auf. Ich konnte gerade noch zu meiner Frau sagen sie soll die 112 anrufen, da fiel ich auch schon um.

Hirnstammbluten bei 280 Blutdruck.

Der ich hatte also einen Schlaganfall und zwar einen der sich gewaschen hat.

Nur gestorben ist er nicht, was weiter mit dem unkaputtbaren Margy geschah jetzt.

Nun wurde ich für zwei Wochen ins Koma, besser den künstlichen Tiefschlaf gelegt aus dem ich erst in Kreischa bei Dresden erwachte .

Ich bin beiden Seiten gelähmt, links hab ich aber Gefühl, also Tetraparese zwar links mehr, aber rechts kein Gefühl, Datum dachte ich anfangs ich sei halbseitig gelähmt.

Was ich in den Wochen darauf träumte und vielleicht auch im Koma ist anzusiedeln zwischen Chaos und Grössenwahn. bezeichnend dafür ist die Begebenheit, wie ich mit meinem freund Klaus dem alten Schnorrer Plauen unter Freibier setzte so das die Brauereien nicht nachkamen und sie das Bier aus dem Norden holen mussten, die Plörre wollte aber keiner trinken. Der Frieder aus der Ranch musste das alles bezahlen, die arme Sau.

Wenn ich das alles aufschreiben würde und einen Herausgeber für den Schwachsinn finden würde könnte ich echt Kohle verdienen. auf dem Comedysektor.

Wie dem auch sei hatte ich echt Glück gehabt, dass damals meine Frau Zuhause war und gleich die 112 anrief. so ist ´nur´ mein Motorikzentrum im Gehirn ausgeschalten gewesen. ich konnte zu Anfang nicht einmal alleine atmen und nur die Augen bewegen. meine angehörigen haben sich gefreut als dann ein Finger zuckte. jetzt kann ich schon die ersten Aufstehversuche machen.

So ein Gehirnbluten, habe ich durch Internetlektüre herausgefunden, tritt nur als Folgeerscheinung von etwas anderem auf. bei mir war das ein Schlaganfall, daraus resultiert auch die Lähmung.

Also habe ich im ersten Jahr einiges überlebt, einen Schlaganfall, Gehirnbluten, eine verrutschte Sprechkanüle, wobei das Blut bis an die decke spritzte, zwei Lungenentzündung Endungen und die Sektion der Hüftköpfe. was das ist und warum das geschehen musste erkläre ich später, denn das war erst zu sankt Nikolaus in meinem Stiefel, statt Nüsse, Pfefferkuchen und Zuckerzeugs.

Ich habe Leute gesehen, die zwar laufen konnten, aber ihre eigenen Kinder nicht mehr erkannt haben. jedoch weiss ich manchmal nicht, ob die zusammenhänge nicht zu erkennen nun ein Fluch oder ein Segen ist. manchmal weiss ich nicht ob ich die Ärzte, die mich damals wieder ins leben holten nun verfluchen soll oder ob ich mich bei ihnen bedanken soll, aber sie wussten ja nicht, was noch kommen sollen der Hammer kam ja erst ein halbes Jahr später.

Erst einmal habe ich nichts mitbekommen weil ich ja gerade aus dem Koma erwacht bin, besser geweckt wurde. als erstes wusste ich nicht wieviel zeit vergangen war, Wochen, Monate, Jahre ,Jahrzehnte oder in Ermangelung logische zusammenhänge zu erkennen Jahrhunderte. die Autos konnten plötzlich fliegen, das lag daran, dass vor meinem Fenster ein Hang zur Strasse hinauf war und ich deshalb die Räder nicht sehen konnte.

Also lag ich da in Kreischa herum, meine Wachphasen vergingen mit Therapien in denen ich durchbewegt wurde oder für eine bestimmte zeit in einen Pflegerollstuhl mehr oder weniger gesetzt wurde dieser zeit stammte auch das Kommunikationsmittel, da ich ja nicht reden konnte, eine umklappbare Kladde mit Buchstaben und zahlen auf die ich mit der linken Hand zeigen konnte. Und dann wurde ich von der Intensivstation auf die reguläre Station für Frührehabilitaton gelegt. das muss so um den 1. Juli herum gewesen sein.

Um diese zeit ging es los, dass ich nicht auf der Seite gelagert sein wollte, weil mir meine Hüfte und später meine Knie so weh taten. man röntge mich und sagte nur, auf den Röntgenbildern ist etwas Griess um die Hüftgelenke zu sehen, ich soll meine Schmerzgrenze höher schrauben. und damit war das Thema gegessen.

Es gab viele Schwestern und besonders einen Pfleger, die auf die Seitenlage bestanden und einfach die Tür schlossen wen ich schrie, einmal muss ich sogar das Bewusstsein verloren haben. positiv ist mir ein junger Aushilfspfleger in Erinnerung geblieben, die mich die ganze Schicht lang auf dem Rücken lies. ich war sowas von dankbar.

Eines Tages kam eine Ärztin zu mir und sagte meine leberwerte sind schlecht aber man kann mir bei den ganzen Medikamenten die ich schon bekomme jetzt nicht noch Antibiotika geben. Das ist doch nur eine Auswirkung deren Ursache erst einmal herausgefunden werden muss. und wenn eine Blutuntersuchung gemacht wurde und ein erhöhter Anteil von Bakterien vorkommt,dann muss man deren Herkunft herausfinden. Und wenn der Patient über schmerzende Hüften klagt, dann werden das wohl die Hüften sein. das sagt dir ein gescheiterter Medizinstudent, der nach dem ersten Semester abgebrochen hat und der jetzt b.w.. studiert,weil ihm das besser liegt.

Allerdings wäre es zu dieser zeit mit vielleicht Antibiotika noch heilbar gewesen?

Zu dieser zeit wurde ich nicht mehr beatmet und man entschied, dass ich eine Sprechkanüle bekommen sollte. das ist ein gerät,das in die röhre im Hals, durch die man atmet, gesteckt wird, das einem hilft zu sprechen. was heißt sprechen, mehr als ein brummen bekam ich nicht heraus. wenn drei Monat die Stimmwerkzeuge nicht benutzt werden muss man lernen wieder damit umzugehen.

jetzt fünf Jahre später muss ich sagen, dass mit reden genauso wird es nun nicht mehr werden. die Luft fehlt hinten und vorne um so zu klingen wie früher abe es reicht um sich normal zu unterhalten. die Leute verstehen einen und wenn ich mal zu schnell jede wird nachgefragt.

nach einigen tagen war das auch Pass, nachts verrutschte das gerät, ich sah irgendwie das Blut spritzen, einen Operationssaal, oder was aus der Sicht des Patienten zu sehen ist und dann nichts mehr, weil ich wieder mal im Koma lag.

 

I

ch lag also im künstlichen Koma und bekam von allem nichts mit. als ich in der Dresdner H.N.O.-Klinik erwachte, hatte ich wieder viel Mist geträumt, wieder eine Trachialkanüle zum atmen im Hals und wieder eine Woche verschlafen.

Danach vergingen noch ein paar Tage in der H.N.O.-Klinik, von denen ich nicht viel mitbekam. dann ging es wieder nach Kreischa auf die Intensivstation, wieder die ganze Prozedur von vorn. also drei Schläuche aus dem Körper, einen für Beatmung, einen für Ernährung und einen für Entwässerung.

ich glauben den sich da der Verstand oder besser gesagt, das Bewusstsein ganz öffnen werde, man würde verrückt werden.

Wenn man es nicht schon ist.

Ich vermute, dass auszutesten, also inwieweit das Gehirn bei dem Vorfall in Mitleidenschaft gezogen wurde, war die Aufgabe der Neurologen.

das vermute ich hinter so unsinnig scheinenden Fragen wie nach dem Datum oder welche zahl der vier nachfolgt. die frage nach dem Datum kann ich auch heute oft nicht beantwortendes liegt aber viel mehr daran das jeder tag gleich ist. die Wochentage unterscheiden sich nur durch die Therapien und ansonsten gibt es so Highlights wie Arztbesuche oder den tag an dem es Rente gibt.

Der Mensch ist ein komplexes Gerät, dass in seiner Gesamtheit nur sehr schwer zu beherrschen ist.

Verstehen tun das nur Leute, die das als Job machen, Leute die das sollen weil es zum Lehrplan der 5. Klasse gehört und dieses auch mehr oder weniger verstehen, bei mir traf das damals eher weniger zu, oder Leute die es müssen, weil sie über das anspannen eines Muskels genau nachdenken müssen, wie manche meiner Krankheit. das sind ja meistens mehrere Muskeln und mehrere dinge gleichzeitig zu tun das fällt Männern bekanntlich schwerer als Frauen es sei denn du heiSt DANIEL, sogar ich musste das lernen.

Das ahnte ich jetzt, als es darum ging das essen zu lernen ohne mich dabei selbst umzubringen.

Das ist nämlich keine so einfache Sache zwischen Speiseröhre und Luftröhre auszuwählen. Beim gesunden Menschen geht das automatisch. aber bei mir .

das musste ich dann noch oft erfahren, dass vieles nicht so einfach ist wie es scheint.

Es ging dann los mit Physiotherapie, aber spätestens als sie mich aufs Laufgestell hängten, wurde es mir zu bunt, ich brach mit schmerzen in den Hüften und den Knien zusammen.

Es kam dann irgendwie nachts zu einer Lungenentzündung, wobei mir Erbrochenes in die Lunge geraten war. Ich musste daraufhin auch wieder beatmet werden. Meine Frau veranlasste dann die Verlegung nach Pulsnitz. in der dortigen Klinik gab es dann erst einmal keine unliebsamen Zwischenfälle.

danach weis ich nicht mehr viel. Ich wurde ende August in Pulsnitz eingeliefert. zur Aufnahme wurden mir mehrere Ampullen Blut abgenommen.        Ich hab noch paar Erinnerungen an Pulsnitz:

Aus der Untersuchung des Blutes, der angefertigten Röntgenbilder und der Angabe von Schmerzen im Hüftbereich sollte man in der Lage sein, die Art der Infektion zu bestimmen und den Ort der Infekten zu lokalisieren. (wenn man danach sucht)

Man entschied sich aber das normale Programm durchzuziehen.


Dann kam schon der Tag an dem der Doktor Schulz, der sich damals sehr um die schmerzende Hüfte kümmerte, feststellte, die Hüfte löst sich in Teilen auf. ich wurde sofort an die Uniklinik Dresden überwiesen und die entfernten mir in einer Notoperation teile der Oberschenkelknochen.
das war dann mein Geschenk zu sankt Nikolaus    

Als ich erwachte waren die Schmerzen weg.

Andere schmerzen wie Wundschmerzen von den OP-Narben waren dafür da. aber die gingen auch wieder weg. es ist schwer vorstellbar, aber ich glaube der Mensch kann sich mit Dauerschmerz arrangieren, wenn er es muss. man kann ja nicht davor weglaufen. Also bleiben nicht mehr viele Optionen ausser vielleicht freiwillig Schluss zu machen. Aber das ist ein ganz anderes Thema mit dem man sich auseinanderzusetzen hat.

Es gibt viele dinge, mit denen ich mich auseinanderzusetzen habe. Zum Beispiel möchte man doch meinen, nachdem man mich zerstochen hat bis zum geht nicht mehr, nachdem die Schwestern keine Stelle zum Blut nehmen fanden weil eben alles zerstochen war, muss doch die Angst vor Spritzen schon einer Phobie glich weg sein, aber weit gefehlt, sie ist noch da

Also durfte ich vor weihnachten das erste mal nach hause und das erste mal begann ich nachzudenken, langsam reiften mehrere Erkenntnisse heran.

 Ärzte sind auch nur Menschen

Genauso wie wir alle Menschen sind, Menschen sind nun einmal komplexe Systeme und wie alle komplexen Systeme fehlerhaft und leicht durch Fehler im System aus dem Konzept zu bringen. durch Fehler lernen wir und Fehler zu machen gehört zum leben. Hätte niemand je den Fehler gemacht in eine Flamme zu fassen, wir wüssten bis jetzt nicht, dass Feuer heiss ist. also - der Mensch ist lernfähig und darf Fehler machen - solange niemand geschädigt

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Die Vogtländische Initiative für Teilhabe und Aktives Leben – kurz VITAL – ist Ansprechpartner für Menschen mit einer erworbenen Hirnschädigung (Schlaganfall, Schädel-Hirn-Trauma oder Hirntumor) und deren Angehörigen.

 
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Der Verein betreibt eine Kontakt- und Beratungsstelle in Plauen,
begleitet Selbsthilfegruppen und bietet verschiedene Freizeitangebote im gesamten Vogtlandkreis an.

   

 Hilfe nach erworbenen Hirnschäden
Hilfe nach erworbenen Hirnschäden.
 Betroffene, Angehörige, Partner aber auch Interessierte werden auf diesen Seiten wichtige Informationen finden.